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Die Bildfindungen von Bernd Kommnick Oder Die Adjektivierung von "Quadrat" ist stimmig

Es ist ein Wagnis ueber die Kunst von Bernd Kommnick zu schreiben. Denn man muesste in der Lage sein, auf Augenhoehe des Kuenstlers- Poesie und Praezision im Worte; auf eine Weise zu vermaehlen, die dem Ganzen zumindest nahe kommt. Statt dessen laeuft man Gefahr; geradezu zwangslaeufig, fast naturgemaess-jaemmerlich zu scheitern, weil die Dinge im Grunde viel zu real, viel zu mehrschichtig und viel zu wahrhaftig sind, als dass ich ihnen habhaft werden koennte; sei es nur fuer einen Moment. Das ist wie bei hoeherer Mathematik, in deren Gefilden zwei plus zwei lange nicht vier ergeben.

Das ist wie bei der Philosophie, die Du nicht ernsthaft anrufen darfst bei Lebensfragen, weil ihre Wahrheit nicht auskommt ohne Metaebenen. Das Phaenomen der Varianten ist allemal interessant, allein deshalb, weil wir auf sie nicht kommen, sie nicht bedenken, oder verschenken, oder nicht erahnen.

Keine Zeit fuer Nichts.

Jede Zeit fuer Nichts.

Was ist ein Quadrat?

Was passiert, wenn man es teilt?

Was passiert, wenn man es noch und noch einmal teilt, Diagonalen setzt, es spiegelt, umkehrt.

In diesem winzigen Ausschnitt von Lebenstaetigkeit, der hinterfragt wird und der absolut nicht kompliziert ist-passiert Unendliches. Kann Unendliches passieren. Nicht nur in der Anmutung, nicht als Vision-nur als Gelegenheit; wenn man sich die Zeit nimmt.

Beobachten, schaffen, schauen. Zeit, die verrinnt. Mit der geringsten Handanlegung aendert sich alles-bei Lichte besehn. Die Flaeche, sobald sie ihre Leibhaftigkeit im duennsten aller Papiere spuert, hat sie die Unschuld ihrer Eindimensionalitaet bereits verloren; die Grenze ueberschritten. Der Stift, der lediglich die Linie im Sinn hat, legt sich noch drueber. Oder der Strich drueckt sich durch, goennt sich den Abdruck, der sich unterhalb den Raum nimmt.

Schwarz/Weiss. Farbe. Ton. Klang.

Das Quadrat ist einzig eins mit sich, wenn die Dimensionen theoretisch stimmen. Im wirklichen Leben ist die Adjektivierung "quadratisch" das Feinste und das Richtigste. Die Benennung.

Im Gunde macht Kommnick Quader und Wuerfel von der Flaeche aus.

Bis sich alles emanzipiert.

Aber im Grunde sind das auch Begriffe aus dem Terrain der Gesetzmaessigkeiten, die ignoriert werden koennen-und auf die man sich, wie durch Zauberhand trotzdem verlassen kann. Wie paradox. Und eben deshalb ist es moeglich die Strategie, die es Kommnick zu verfolgen gilt, spielerisch zu nehmen. Dahinter naemlich ist Neugier, Offenheit, Melancholie, Staunen und Konsequenz. Und Zaertlichkeit.

Schwer zu fuehlen, schwer zu machen, schwer zu leben. Gott lob , traegt ihn ein spielerischer Geist. Eigenartig. Eigensinn. Leicht koennte man verrueckt werden.

Kann sein-ein Gleichnis. Eine Gleichung nicht. Und wenn dann wirklich die Wuerfel der Existenz behaupten, haben sie den Anspruch von Skulpturen am Leibe. Und dann geht das Ganze von vorne los. "Ich beschaeftige mich gern mit diesen Verschiebungen, aber nicht auf Kosten der Lebendigkeit und der Intensitaet." (Bernd Kommnick)

Petra Hornung, 2010 (Katalog Quadratarbeiten)